Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg
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Donnerstag, 29. September 2016
Losungstext:
Du, HERR, bist unser Vater; „Unser Erlöser”, das ist von alters her dein Name.
Jesaja 63,16
Lehrtext:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1.Petrus 1,3

Sterben und Tod - was kann ich tun?

Im Angesicht des Sterbens

Ich habe gehört, dass der Sterbeprozess bei jedem Menschen anders ist. Stimmt das?
Ja. Das Sterben ist etwas ganz eigenes. Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod.

Wie lange dauert eigentlich das Sterben? Ist es nicht schnell vorbei, wenn der Sterbende nur zum Sterben bereit ist?
Jeder Sterbende braucht seine Zeit, um seinen Weg zu gehen, auch wenn wir manchmal meinen, es wäre leichter, wenn er nur loslassen würde. Es ist sein Sterben und sein Weg ist richtig.

Die Atmung des sterbenden Menschen hört sich an, als würde er ersticken.
Das ist normal, auch wenn es für uns beunruhigend ist. Sogar die Pausen zwischen den Atemzügen können länger werden.

Der Sterbende riecht komisch. Ich kann das kaum aushalten.
Versuchen Sie, den Geruch im Zimmer mit Blumen, Duftkerzen oder Räucherstäbchen zu verbessern.

Die Stimmung des Sterbenden wechselt häufig und ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll.
Lassen Sie den Sterbenden so sein wie er möchte. Er muss vieles durchleben, bis er akzeptieren kann, dass er bald sterben muss.

Ich habe das Gefühl, dass der Sterbende Schmerzen hat. Was kann ich tun?
Es ist nicht nötig, dass ein sterbender Mensch Schmerzen leidet. Es gibt Medikamente, die die Schmerzen nehmen und doch das Bewusstsein erhalten. Fragen Sie bei Ihrem Hausarzt nach der Schmerztherapie.

Was muss ich tun, wenn der Sterbende jegliche Nahrung verweigert?
Das ist schwer auszuhalten, aber es ist ganz natürlich, dass ein sterbender Körper keine Nahrung mehr möchte. Er braucht sie auch nicht mehr. Achten Sie aber auf Signale, ob der Sterbende etwas trinken möchte, vielleicht können Sie auch den Mund und die Lippen etwas befeuchten.

Der Sterbende möchte von mir nicht mehr berührt werden. Habe ich mich vielleicht falsch verhalten?
Es kann sein, dass der Sterbende zuletzt so berührungsempfindlich ist, dass ihm jeglicher Hautkontakt starke Schmerzen bereitet.

Viele wollen den Sterbenden besuchen, er hat aber kein Interesse mehr an anderen Menschen. Was soll ich machen?
Akzeptieren Sie den Wunsch und geben Sie ihn weiter. Die Ablehnung zu akzeptieren ist nicht immer leicht, aber die Besucher werden hoffentlich Verständnis haben, dass der Sterbende nur noch wenige und vertraute Menschen in seiner Nähe haben möchte.

Der sterbende Mensch liegt im Koma. Kann er mich trotzdem hören?
Ja. Reden Sie im Zimmer so, als wäre der Sterbende bei Bewusstsein. Sie können ihm auch noch etwas sagen, ihm etwas mit auf den Weg geben oder ihn um Verzeihung bitten. Es kann sein, dass er auch Ihre Berührung spürt.

Der Sterbende sagt, dass er andere Verstorbene sehen kann!?
Ja, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt decken sich Ihre Realität und die des Sterbenden nicht mehr. Reden Sie ihm seine Realität nicht aus, sondern nehmen Sie Anteil daran. Das kann auch für Sie bereichernd sein.

Soll ich den Sterbenden lieber allein lassen, wenn er nicht mit mir sprechen will, oder soll ich versuchen, ihn zum Sprechen zu bewegen?
Worte sind nicht mehr so wichtig. Die abweisende Haltung des Sterbenden bedeutet aber nicht, dass er Sie jetzt nicht braucht. Er ist jetzt sehr mit sich selbst beschäftigt.

Soll ich überhaupt vom Sterben reden, macht das nicht mutlos?
Krankheit und Sterben gehören zum Leben. Es sind Erfahrungen, die keinem Menschen erspart bleiben. Wir leben diese Zeit bewusster, wenn wir darüber reden können. Dabei kann der Sterbende auch frei seine Ängste aussprechen und sie mit Ihnen teilen. Aber bedrängen Sie ihn nicht.

Sollte ich dem Sterbenden nicht lieber seinen tatsächlichen Zustand verheimlichen?
Sterbende wissen häufig um ihre Situation! Sie wollen nicht getäuscht werden. Es gehört zu ihrer Würde, die Wahrheit – behutsam – erfahren zu dürfen.

Ich traue mich gar nicht mehr aus dem Zimmer, weil ich Angst habe, dass der Tod genau dann eintritt, wenn ich nicht da bin.
Haben Sie keine Bedenken! Es ist sogar häufig so, dass der Sterbende darauf wartet, dass er alleine ist und genau dann stirbt. Vielleicht fällt es ihm dann leichter, sich von einem geliebten Menschen zu lösen, wenn der gerade nicht im Raum ist.

Ich pflege einen sterbenden Menschen zu Hause und brauche auch einmal Zeit für mich. Was kann ich tun?
Sie können den Ambulanten Hospizdienst einschalten. Hier sind Menschen, die unter anderem Wachen übernehmen und Gespräche führen. Aber auch Freunde und Nachbarn sind oft bereit, wenn sie nur gefragt werden.

Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich auch etwas anderes unternehmen möchte.
Es ist gut und richtig, dass Sie sich auch um sich selbst sorgen. Sie können nur dann wieder Kraft für den Sterbenden haben, wenn Sie auch einmal auftanken können.

Ich möchte nicht, dass an dem Sterbenden lebensverlängernde Maßnahmen vorgenommen werden. Und jetzt bekommt er eine Magensonde.
Zu einem würdevollen Sterben gehört die Grundversorgung dazu: Ein Mensch darf nicht qualvoll verhungern oder verdursten. Die Entscheidung darüber kann nur aus der konkreten Situation mit den dazu Befugten getroffen werden. Wer befugt ist lässt sich dem Patientenverfügungsgesetz entnehmen.

Ich möchte dem Sterbenden etwas sagen, aber mir fehlen die Worte.
Nicht immer muss etwas gesagt werden. Oft tut es auch gut, einfach nur da zu sein und zu schweigen. Es kann aber auch angebracht sein, vertraute Texte zu lesen oder ein Gebet zu sprechen (z.B. Psalm 23; So nimm denn meine Hände, Evangelisches Gesangbuch 376).

Kann der Ambulante Hospizdienst Schmerzmittel verabreichen?
Nein. Sprechen Sie dazu Ihren Hausarzt an.

Kann der Ambulante Hospizdienst auch aktive Sterbehilfe leisten?
Nein. Der Ambulante Hospizdienst möchte nur Hilfe beim Sterben leisten, nicht zum Sterben.

Ist eine schriftliche Verfügung über die Art der Bestattung sinnvoll?
Ja, damit die Angehörigen wissen, welches der Wille des betreffenden Menschen ist. Die Verfügung sollte aber nicht in das Testament geschrieben werden, da dies erst nach der Beerdigung eröffnet wird.

Was passiert nach dem Tod?
Christen glauben an die Auferstehung. Jesus, Gottes Sohn ist gestorben – und dann wurde er auferweckt. Und wir dürfen ebenfalls auf die Gegenwart Gottes und seine Begleitung durch den Tod hindurch hoffen. Sterben ist wie eine neue Geburt.

Wie merke ich, dass der Tod eingetreten ist?
Der Verstorbene atmet nicht mehr und sein Herz hat aufgehört zu schlagen.

Der Tod ist eingetreten

Der Tod ist nun eingetreten. Was muss ich jetzt zuerst tun?
Nehmen Sie sich Zeit. Zünden Sie doch eine Kerze an. Lassen Sie Ihre Gefühle zu. Vielleicht möchten Sie ein Gebet sprechen oder das Vaterunser beten.

Ich möchte nicht mit dem Toten alleine sein. Was kann ich tun?
Bestimmt denken Sie zuerst an Ihre Angehörigen. Scheuen Sie sich aber nicht, auch jemanden anderen um Hilfe zu bitten. Vielleicht hat ja einer Ihrer Freunde oder Bekannten sogar schon Erfahrung mit Sterben und Tod.
Vielleicht möchten Sie auch, dass Ihr Gemeindepfarrer/Ihre Gemeindepfarrerin kommt, der/die am Bett des Verstorbenen mit Ihnen zur Ruhe kommt. Oder rufen Sie über die Feuerwehr (Telefon 112) die Notfallseelsorge an, die Ihnen in diesen Momenten zur Seite steht.

Muss ich den Arzt rufen?
Ja. Der Hausarzt stellt den Totenschein aus. Aber Sie müssen ihn nicht mitten in der Nacht rufen, das hat Zeit bis zum Morgen.

Darf ich den Verstorbenen berühren?
Ja. Es gibt keine hygienischen Gründe, die dagegen sprechen. Berühren Sie den Verstorbenen so, wie es Ihnen ein Bedürfnis ist.

Was kann ich noch tun?
Streichen Sie über die Augen des Verstorbenen, um sie zu schließen. Wenn Sie möchten, waschen Sie den Toten und ziehen Sie ihn an. Weiterhin können Sie die Hände aufeinanderlegen und ein Kissen oder ein gerolltes Handtuch nehmen, um es unter das Kinn zu legen, damit der Mund geschlossen bleibt.
Sie können auch das Zimmer herrichten: Entfernen Sie die Medikamente und andere Pflegemittel, schmücken Sie es stattdessen mit Blumen und Kerzen.

Ist es nicht schwer, einen Verstorbenen anzusehen?
Der Anblick eines verstorbenen Menschen, der Ihnen nahegestanden hat, ist in der Regel nicht erschreckend. Die meisten Angehörigen empfinden diese Zeit des Abschieds als wohltuend.

Wann muss ich einen Bestatter rufen?
Es gibt keinen Grund zur Eile. Lassen Sie sich Zeit. Sie sollten das dann tun, wenn Ihnen danach ist, denn Sie dürfen den Verstorbenen bis zu 36 Stunden (in Niedersachsen) zu Hause behalten. Vereinbaren Sie einen Termin mit dem Bestattungsinstitut innerhalb dieser Zeit.

Warum sollte ein Verstorbener noch zu Hause bleiben?
Es ist angemessen und kann gut tun, sich von einem Verstorbenen in seiner gewohnten Umgebung zu verabschieden. Auch den Angehörigen, die entfernt wohnen, geben Sie so die Chance, Abschied zu nehmen. Sie können auch den Kontakt zu Ihrem Pfarrer/Ihrer Pfarrerin suchen – noch bevor der Verstorbene in das Bestattungsinstitut überführt wird. Sie können vielleicht besser Ruhe finden und es kann eine Aussegnung des Verstorbenen stattfinden.

Was ist eine Aussegnung und wozu ist sie gut?
Die Aussegnung des Verstorbenen ist der für uns Menschen deutlich sichtbare Zuspruch Gottes, dass der Verstorbene seinen Weg nicht alleine gehen muss. Die Sorge um den Verstorbenen wird in Gottes Hand gelegt und ist dabei ein hilfreiches Ritual.
Die Aussegnung des Verstorbenen können Sie selbst oder ein anderer Angehöriger vornehmen (siehe im Evangelischen Gesangbuch Nr. 949 und Nr. 950), in der Regel wird dies aber ein Pfarrer/ eine Pfarrerin tun. Falls Sie keinen Gemeindepfarrer / keine Gemeindepfarrerin erreichen können, sprechen Sie die Notfallseelsorge für den Dienst der Aussegnung an (erreichbar über die Feuerwehr, Telefon 112).

Wie soll der Verstorbene angezogen werden?
Sie können dem verstorbenen Menschen die Kleidung anziehen (lassen), die er zu Lebzeiten gerne getragen hat.

Wie lange darf ein Toter zu Hause bleiben?
Der Verstorbene darf in Niedersachsen ohne weitere Genehmigung 36 Stunden zu Hause bleiben. Darüber hinaus müssen Sie sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen. Hilfe erhalten Sie beim Bestatter.

Ich möchte den Verstorbenen zu Hause behalten, kann ihn aber nicht selbst herrichten. Geht das trotzdem?
Ja. Sprechen Sie mit Ihrem Bestattungsunternehmen, das auch eine Aufbahrung bei Ihnen zu Hause ermöglichen kann.

Kann ich auch im Krankenhaus oder im Heim Abschied nehmen, wenn dort der Tod eintritt?
Ja, eventuell in einem besonderen Raum, aber auch im Zimmer ist manchmal die Aufbahrung möglich.

Kann ich einen Verstorbenen auch aus dem Krankenhaus nach Hause holen?
Ja. Sie können den Verstorbenen mit Hilfe des Bestatters in die vertraute Umgebung bringen lassen.

Kann ich den Verstorbenen noch einmal sehen, nachdem er vom Bestatter abgeholt worden ist?
Ja, nehmen Sie ruhig beim Bestatter noch einmal Abschied vom Verstorbenen. Sie können das auch häufiger tun, wenn Sie wollen.

Wer kann entscheiden, ob der Verstorbene erd- oder feuerbestattet wird?
Ehepartner oder Kinder können die Art der Bestattung anordnen.
Ansonsten ist eine Feuerbestattung nur möglich, wenn der Verstorbene das schon zu Lebzeiten schriftlich verfügt hat.
Wenn der Verstorbene feuerbestattet werden soll, gelten ganz bestimmte Kleidungsvorschriften, die Sie mit dem Bestatter besprechen sollten.

Ich habe gehört, dass Pfarrer/Pfarrerinnen manchmal eine Beerdigung ablehnen. Stimmt das?
Nein. Wenn der Verstorbene Mitglied einer christlichen Kirche war, wird kein Pfarrer/keine Pfarrerin die Beerdigung ablehnen! Fragen Sie gegebenenfalls selbst beim Pfarrer/bei der Pfarrerin nach.
Wenn der Verstorbene aus der Kirche ausgetreten war, kann eine kirchliche Trauerfeier für die trauernden Zurückgebliebenen stattfinden.

Wer soll bei dem Trauergespräch mit dem Pfarrer/der Pfarrerin dabei sein?
Das Trauergespräch mit dem Pfarrer/der Pfarrerin kann für die nächsten Angehörigen die Gelegenheit bieten, zur Ruhe zu kommen. Sich das Leben des Verstorbenen zu vergegenwärtigen, ist für alle Hinterbliebenen und auch für den Pfarrer/die Pfarrerin wichtig.

Muss ich für den Pfarrer/die Pfarrerin und die Benutzung der Kapelle (Kirche) eine Gebühr bezahlen?
Nein.

Kann ich den Beerdigungstermin selber festlegen?
Den Termin für die Bestattung spricht der Bestatter mit Ihnen, dem Pfarrer/der Pfarrerin und der Friedhofsverwaltung ab. In Oldenburg finden Beerdigungen in der Regel am Vormittag statt.

Ist eine anonyme Bestattung die einzige Möglichkeit, niemanden mit der Grabpflege zu belasten?
Nein. Damit eine Grabstelle pflegefrei ist, muss es nicht eine anonyme Bestattung sein. Auf dem Neuen Friedhof gibt es z.B. pflegefreie Bestattungsmöglichkeiten.

An was muss ich noch denken?
Bei allen weiteren Fragen, die noch geklärt werden müssen, hilft Ihnen das Bestattungsinstitut weiter (Trauerkarten, Anzeige, aber auch: Beurkundung beim Standesamt, Benachrichtigungen, Nachlass, Sterbegeld, Rentenangelegenheiten, Steuer und anderes).

Segen nach dem Sterben / Vater unser

Ewiger Gott und Vater, du allein bist mächtig und gnädig:
Gib unserem/unserer Entschlafenen die ewige Ruhe. Lass ihm/ihr dein Licht leuchten und vereine ihn/sie mit denen, die du vollendet hast. Uns alle lass dereinst dein Angesicht schauen und deine himmlische Herrlichkeit erlangen.
(Evangelisches Gesangbuch Nr. 950)

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

(Text: Pastor Thomas Adomeit)

Hilfe bei Todesfällen und Fragen zur Beerdigung finden Sie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der einzelnen Bezirke:

Bezirk Auferstehungskirche

Bezirk Christuskirche

Innenstadtbezirk: Garnisonkirche und St. Lamberti-Kirche

Bezirk Martin-Luther-Kirche