Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg
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Gottesdienst zum Christopher Street Day - ... größer als unser Herz!

Eine liebgewonnene Tradition ist der Gottesdienst anlässlich des Christopher Strret Day, der in diesem Jahr am 14. Juni in der St. Lamberti-Kirche stattfand.

Mitwirkende waren Pastorin SIlke Steveker (Liturgie), Pastor Dr. Ralph Hennings (Predigt), Schwester Lea, vom Orden der perpetuellen Indulgenz (Fürbitten), als Lektoren Christoph Baak und Dr. Christian Wetz (Amnesty International Oldenburg) und der Meckrekring unter der Leitung von Insina Lüschen.

14.6.15 CSD Gottesdienst - Mitwirkende; Bild: K. Hennings

Die in Regenbogenfarben geschmückte Kirche war gut besucht.

14.6.15 CSD Gottesdienst - gut besuchte Kirche; Bild: K. Hennings

Die Epistel, die zugleich Predigttext war, wurde von Christoph Baak gelesen. Sie steht im 1. Johannesbrief 3, 19-24a:

14.6.15 CSD Gottesdienst - Christoph Baak; Bild: K. HenningsDaran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass, wenn unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun was wohlgefällig ist. Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Der Meckerkring beeindruckte nicht nur durch seine mitreißenden Lieder ...

14.6.15 CSD Gottesdienst - Meckerkring; Bild: K. Hennings

Eindrücklich zählten sie in einem Lied auf in welchen Ländern auf Homosexualität 3-25 Jahre Haft bzw. die Todesstrafe steht. Die Gemeinde war berührt.

Pastor Dr. Ralph Hennings hielt die Predigt über "... größer als unser Herz":

Liebe Schwestern und Brüder,

Manchmal sind wir engherzig und sehen überall nur Dinge, Regeln und Menschen, die uns stören. Unsere Rechte werden beeinträchtigt, die Ordnungen, die wir gut finden, werden in Frage gestellt, uns begegnen Menschen, die wir lieber nicht kennen gelernt hätten.
Manchmal sind wir weitherzig und die Welt sieht anders aus. Wir können zufrieden sein mit unserer Position in der Gesellschaft, legen Ordnungen nicht so eng aus und finden sogar Menschen mit einer anderen Meinung gut.
Wie ist das eigentlich bei Gott? Begegnet er uns weitherzig oder hat er ein enges Herz? Besteht er auf der Einhaltung aller biblischen Vorschriften oder gibt es Spielräume? Müssen wir immer seiner Meinung sein, oder können wir auch widersprechen, unseren Frust äußern und uns beklagen?
Die Bibel, die wir als evangelische Christen immer zuerst befragen, gibt ein uneinheitliches Bild. Manchmal erscheint Gott als streng und strafend, manchmal wie ein zärtlicher Vater oder eine liebevolle Mutter, die ihren Kindern alles verzeihen, wenn nur die Beziehung nicht abreißt.
Der erste Johannesbrief aus dem das Motto für unseren Gottesdienst stammt „größer als unser Herz“ buchstabiert das Verhältnis zwischen uns Menschen und Gott an den Begriffen Liebe und Wahrheit durch. Es lohnt sich, diesen Abschnitt noch einmal zu hören:
Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist. Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm
(1. Johannesbrief 3,19-24a).
Die Überzeugung dieser biblischen Traditionslinie ist, dass Gott selbst zureichend beschrieben werden kann mit den Begriffen „Liebe“ (1 Joh 4,16b) und „Wahrheit“ (1 Joh 5,6).
Wenn Gott Wahrheit und Liebe ist, dann hat das Folgen für uns, die wir seine Kinder sind und zu ihm gehören. Auch wir leben dann aus der Wahrheit und aus der Liebe – und hoffentlich auch in Wahrheit und in Liebe.
In Wahrheit und Liebe – also wahrhaftig und liebevoll – zu leben ist eine hohe Anforderung. Nicht immer gelingt uns dass. Wir ertappen uns selbst dabei, dass wir engherzig waren, oder dass wir, statt die Wahrheit zu suchen, uns lieber an Ordnungen und Regeln gehalten haben. Wir ertappen uns selbst dabei, dass wir mit anderen Menschen nicht liebevoll umgegangen sind. Dann kann es sein, dass unser eigenes Herz uns zu schaffen macht und laut pocht – dann schlägt uns unser Gewissen. Der Johannesbrief sagt, dann „verdammt uns unser Herz“. Wenn wir in diese Lage kommen und an uns selbst zweifeln, sogar daran zweifeln, ob wir eigentlich zu Gott gehören, wenn wir so handeln, dann können wir unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz.
Gott lässt sich nicht einfangen von unserer Engherzigkeit. Er lässt sich nicht einmal von der maximalen Spannweite unserer Weitherzigkeit umfassen. Gott ist immer größer. Er ist immer größer in der Wahrheit und der Liebe. Mit seiner Liebe umfasst er unsere ängstlichen Herzen, die so oft unsicher und eng werden. Wenn es gut geht, ermöglicht uns das Zuversicht. Wenn wir Zuversicht und Zutrauen zu Gott haben, haben wir keine Scheu mit unseren Anliegen und Bitten zu ihm zu kommen – so wie wir es nachher im Fürbittengebet tun werden. Der Johannesbrief ist sich sicher: was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.
Damit stellt sich die Frage: „Was bedeutet es Gottes Gebote zu halten und zu tun, was vor ihm wohlgefällig ist?“ In der Frage der Homosexualität, gibt es in den verschiedenen Kirchen heftige Debatten, in denen behauptet wird, dass nur die Liebe zwischen Frauen und Männern und nur innerhalb der Ehe von Gott geboten sei. Schon in der Formulierung wird deutlich, dass da etwas nicht stimmen kann. Liebe kann man nicht gebieten. Sie ergreift uns mit der ihr eigenen Unwiderstehlichkeit. Die Zeiten in denen Familien ihren Kindern geboten haben: „Du heiratest Deine Cousine, die hat einen großem Bauernhof!“ sind bei uns zum Glück vorbei. Dennoch hat die Einengung der Liebe auf gebotene und verbotenen Liebe bis heute viele Anhänger – und deren Haltung ist oft engherzig und wenig liebevoll.
Da hilft es, zurück in die Bibel zu schauen und zu sehen, was der erste Johannesbrief, der vor allem an der Wahrheit und der Liebe interessiert ist, als Gebot Gottes formuliert. Er schreibt: Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat.
Für den Johannesbrief gibt es also genau zwei Gebote: An Jesus Christus zu glauben und uns untereinander zu lieben, wie er es im Gebot der Nächstenliebe formuliert hat. Das ist die Traditionslinie, die Jesus begründet hat, als er auf die Frage nach dem höchsten Gebot die beiden zentralen Gebote der jüdischen Tradition kombinierte: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst (Lk 10,27).
Die Frage nach Hetero- und Homosexualität, nach Geschlechterzugehörigkeit oder Transsexualität, die in den Kirchen heutzutage soviel Erregungspotential bietet, tritt hinter diesen einfachen und klaren Worten zurück. Es geht gar nicht um etwas, das in unserer Geschichte als „natürlich“ oder „unnatürlich“ konstruiert wurde. Es geht um Wahrheit und Liebe. Es geht um die Hinwendung zu Gott und die Zuwendung zu den Menschen. Ob ich die Hinwendung zu Gott in einem Kloster lebe oder in einer Kirchengemeinde, ist zweitrangig. Ob ich die Zuwendung zu den Menschen in meinem Beruf, in meiner Nachbarschaft, in meiner Familie oder in meiner Partnerschaft lebe, ist zweitrangig. Hauptsache ist, ich tue es und folge damit Gottes Gebot.
Zur Wahrheit über Gott gehört, dass er größer ist als unser Herz. Seine Zuwendung ist nicht an unsere Kategorien gebunden. Sie galt schon in der Bibel Menschen, die in Formen lebten, die uns heute sehr merkwürdig vorkommen. Abraham, den seine Frau dazu bringt, dass er mit seiner Sklavin Kinder zeugt; Jakob, der mit zwei Schwestern verheiratet ist; David, der den Bruder seiner ersten Frau liebt, und später zu seinem Sohn hält, obwohl dieser öffentlich mit Davids Nebenfrauen schläft… Mit der vor zwei Jahren erschienen „Familien-Denkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland kann man konstatieren: Ein normatives Verständnis der Ehe als „göttliche Stiftung“ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entspricht nicht der Breite des biblischen Zeugnisses.
Das biblische Zeugnis ist aber an anderer Stelle sehr eindeutig. Es geht immer um das Verhältnis von Menschen und Gott. Und in diesem Verhältnis spielen Wahrheit und Liebe die entscheidende Rolle. So wie Gott die Wahrheit und die Liebe ist, sollen auch wir aus der Wahrheit und aus der Liebe leben – und hoffentlich auch in Wahrheit und Liebe. Das sollte uns zugleich weitherzig machen für die Menschen um uns herum. Und wenn wir bemerken, dass unser Herz eng wird, dann können wir uns darauf besinnen, dass Gott größer ist als unser Herz. Er umfasst uns alle in seiner Liebe!
Amen.

UWe Heger am Saxophon und Thomas Schubert an der Orgel begleiteten durch den Gottesdienst und begeisterten durch solistische Stücke.

14.6.15 CSD Gottesdienst - Uwe Heger; Bild: K. Hennings

Schwester Lea hielt die Fürbitten und alle antworteten mit "Herr, wir bitten dich erhöre uns.":

Herr, unser Gott, du hast uns Liebe vorgelebt, indem du keine Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen gmacht hast. Weder in Geschlecht, Herkunft oder ANsehen. LAss uns als CHristen deine Liebe weitertragen und als Kirche ein Beispiel setzen.

Öffne unsere Herzen, um zu erkennen, wo wir als Kirche und als Christen, gebraucht werden, wo es nötig ist klar Position zu beziehen und wo wir sowohl in Worten als auch in Taten Zeichen von Liebe, Respekt und Toleranz setzen können.

Gib unseren Politikern den Mut und die Entschlossenheit Richtiges anzuprechen, durchzusetzen und zu vertreten - hilf ihnen ihre parteilichen Engstirnigkeiten abzulegen und beherzt dafür einzustehen, was menschlich nötig und hilfreich ist.

Wir leben glücklicherweise in einem Land, in dem Frieden herrscht. Sei bei unserer Regierung, diesen Frieden im Großen wie im Kleinen zu wahren und zu fördern.

Es gibt viele Länder auf der Welt, in denen Unrecht herrscht und in denen Ungleichheit nicht beseitigt wird. Steh denen bei, die darunter leiden müssen, gib ihnen Kraft zu ertragen und Hoffnung und Aussicht auf Besserung. Lass gerade dort Menschen wirken, die Schmerzen lindern.

Unsere Erde wurde von dir als Heimat für uns geschaffen - dennoch sind aktuell viele Menschen heimatlos, müssen ihr Land verlassen und wissen nicht, wohin sie gehen sollen. WIr wünschen uns Menschen und Länder, die sie aufnehmen, die ihnen ein neues Zuhause bieten und sie in ihrer Not nicht allein lassen.

Vor dir sind alle Menschen gleich, weil du uns alle wunderbar geschaffen hast. Lass diese Erkenntnis in unser aller Köpfe und Herzen WUrzeln schlagen, dadass wir weltweit Gleichheit leben können.

Amen.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zu einem Kirchenkaffee eingeladen, wo fröhlich miteinander geredet und über das gehörte diskutiert wurde.